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Historisches
Historische Entwicklung des Dorfes RAGOW
Das Dorf RAGOW liegt am Westende des Oberspreewaldes,
einem Teil des Baruther Urstromtales, das durch Schmelzwässer der
eiszeitlichen Gletscher entstanden ist.
Von der Spree wurden, aus dem Durchbruchstal bei Spremberg, Schwemmsandmassen
in das Urstromtal geschüttet, so dass dieses ausgefüllt wurde
und eine ebene Fläche mit sehr geringem Gefälle entstand, in
der sich die Spree, ähnlich wie in einem Delta, in zahlreiche Arme
auflöst.
Bis zum 18. Jahrhundert war der Spreewald ein sumpfiges, urwaldähnliches
Gebiet mit ungeheurem Holz- und Wildreichtum. 1650 aber wurde der letzte
Bär, 1746 der letzte Elch und 1804 der letzte Wolf erlegt. In den
zahlreichen Wasserläufen des Spreewaldes lebten große Mengen
an Fischen und Krebsen.
Der Name RAGOW, sorbisch Rogow, wird abgeleitet von "rog" und
bedeutet Horn, Spitze, Ecke, Winkel. Der Ortschronist Paul Fahlisch leitet
den Ortsnamen von dem Wendengott RAGOWITZ ab, weil er eine Erhöhung
neben der heutigen Bahnhofstraße für dessen Opferstätte
hält. Die dort gefundene Keramik ist aber viel älter (um 800
v.u.Z.) und stammt aus der Bronzezeit, als die Sorben/Wenden hier noch
nicht ansässig waren.
Durch Funde von Kleingeräten in Ragow und in den Nachbargemeinden
ist das Auftreten des Menschen in unserer Gegend bereits für die mittlere
Steinzeit (15000 - 3000 v.u.Z.) nachzuweisen. Auch in der jüngeren
Steinzeit (3000 - 2000 v.u.Z.), in der die Menschen sesshaft wurden und
zu Ackerbau und Viehzucht übergingen, war die Besiedlung noch spärlich.
Aus dieser Zeit stammen zwei 8 cm lange, geschliffene, nicht durchbohrte
Steinbeile.
Um die Mitte des 2. Jahrtausends v.u.Z., in der Bronzezeit, setzte eine
dichte Besiedlung durch ein Volk ein, dessen Ursprung in den mitteldonauländischen
Bauernkulturen vermutet wird. Über seine volkstumsmäßige
Zugehörigkeit allerdings ist bis heute nichts bekannt.
Im Verlaufe eines Jahrtausends entwickelte es hier eine bodenständige
Kultur, für die Virchow den Begriff "Lausitzer Kultur" prägte.
Die Menge der reichhaltigen Urnenfelder in und um Ragow berechtigen zu
dem Schluss, dass bereits geschlossene Siedlungen vorhanden waren.
Das Volk der Lausitzer Kultur verschwindet um 500 v.u.Z. aus bisher ungeklärten
Gründen ziemlich plötzlich und in der folgenden, etwa 1000 Jahre
dauernden Germanenzeit war unsere Gegend dünner besiedelt.
In der Zeit der Völkerwanderung zogen die Germanen ab und ließen
nur ältere Leute und Kinder zurück. Im 7. Jahrhundert bekann
ein allmähliches Einwandern der Sorben, die zum Stamm der Elbslawen
gehört. Die Deutschen nannten sie Wenden. Diese haben mehrere Jahrhunderte
hindurch ein friedliches Dasein geführt.
Im 9. Jahrhundert setzte eine Rückwanderung der Deutschen ein. In über
zwei Jahrhunderte dauernden harten Kämpfen um den Besitz des Landes
sind diesem tiefe Wunden geschlagen worden.
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Der Ragower Burgwall, Schlossberg genannt, ist nach der Datierung
der gefundenen Keramik etwa im 7./8. Jahrundert angelegt und bis zum
9./10. Jahrhundert bewohnt worden.
Die sorbischen Rundwälle des 9. und 10. Jahrhunderts stellen Herrensitze
dar, also kleinere Verwaltungseinheiten. |
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Die kleineren Wehrburgen von der Art des Ragower Schlossberges
hatten nur in kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Sorben und
Deutschen ihre
Bedeutung. Sie wurden im Verlauf der Kämpfe meist zerstört,
wie auch die Ragower Burg, und nicht wieder aufgebaut bzw. genutzt.
Um 1010 wurde auf dem Ragower Weinberg ein Silberschatz vergraben,
der 1886 von "Mundans Knecht", Ernst Jank, beim Pflügen gefunden
wurde. Es handelte sich um 200 ganze Münzen und ebenso viele Stücke,
kleine, viereckige Silberstangen (Barren) und eine größere Zahl
von Schmuckgegenständen, von denen keiner unversehrt war.
Funde blaugrauer Scherben an verschiedenen Stellen des heutigen Dorfes
machen eine Besiedlung in frühdeutscher Zeit (12./14. Jh.) wahrscheinlich.
Auffällig ist, dass Ragow in der Verkaufsurkunde von 1315, in der
Bodo der "Ältere" von Ilenburg die Herrschaft Lübbenau
an den Ritter Christian, genannt Lange, verkauft, nicht aufgeführt
ist, während die anderen Dörfer um Lübbenau darin genannt
werden.
Das Territorium des Dorfes Ragow hat damals zweifellos zur Herrschaft Lübbenau
gehört, denn als Grenze wird in der genannten Urkunde die Lusitz angegeben.
Die Lusitz ist aber gleichbedeutend mit der heutigen Wudritz, was urkundlich
mehrfach belegt ist.
Die Existenz eines Ortes gilt aber erst seit seiner urkundlichen Erwähnung
als bewiesen. Nach den zur Zeit bekannten Urkunden ist Ragow erstmalig
1421 erwähnt und zwar in seiner heutige Schreibweise.
Im Lübbenauer Stadtbuch, das mit dem Jahre 1430 beginnt, sind in der
Folgezeit häufig Ragower Einwohner genannt.
Auf Grund von Bodenfunden ist in Ragow eine Siedlungsverlegung von Osten
nach Westen vom Übergang von der alt- zur jungslawischen Zeit (10.
Jh.) an bis zur frühdeutsche Zeit (12./14. Jh.) zu erkennen. Es ist
nicht bewiesen, dass die Wendische Siedlung unmittelbar in das Dorf Ragow
der frühdeutschen Zeit übergegangen ist. Vielmehr deutet die
Dorfanlage auf eine Neugründung der Koloniesationszeit hin. Ragow
ist als Zeilendorf angelegt mit dem Anger westlich der Dorfstraße
und einer rechtwinklig nach Osten verlaufenden Straßenzeile, der
Gasse. Fast sämtliche Bauernhöfe befinden sich in diesem zweifellos ältesten
Teil des Dorfes.
Ragow ist ein reines Bauerndorf. Die soziale Zuammensetzung der Bevölkerung
wurde allgemein durch die drei Hauptgruppen Bauern, Kossäten und Büdner
bestimmt.
Seit mindestens 1503 zählte Ragow zur Herrschaft Lübbenau, seit
1723 kirchlich zu Zerkwitz.
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